Was hilft gegen die Reizüberflutung?

Alles ist zu viel!

Reizüberflutung – was ist das? von Marco Gloor

Reizüberflutung – dieser Begriff taucht häufig in den diversen Medien auf. Das mag auch daran liegen, dass immer mehr Menschen die Reizüberflutung als belastend wahrnehmen und ihr entgegenwirken wollen. Denn die Flut an Reizsignalen trägt auch erheblich zur Stressbelastung bei. Und chronische Stressbelastung kann schließlich zu einem Burnaut führen. Aber der Reihe nach.

Eine Definition des Begriffs: Von Reizüberflutung spricht man dann, wenn eine (Über-) Fülle an Reizen – über einen bestimmten Zeitraum und meist gleichzeitig – auf unsere Sinne einwirkt. Dieser Zustand kann zu einer enormen Belastung führen. Unsere fünf Sinne bilden das Tor zur Wahrnehmung. Je mehr unsere Sinneskanäle gleichzeitig mit Reizen torpediert werden, desto schwieriger fällt z. B. das Konzentrieren auf eine Tätigkeit.

Solche Reize können etwa verschiedene Geräusche sein, die unser Gehör wahrnimmt, diverse Bilder, die wir über unsere Augen erfassen, u.s.w. Nun kann ein äusserer (Sinnes-)Reiz an sich als negativ empfunden werden oder in der Menge, in der er in Erscheinung tritt. Ein simples Beispiel, was die Unterscheidung hinsichtlich der Menge betrifft: Mit Ihnen am Tisch sitzen 10 Personen, die eine Stunde lang alle gleichzeitig auf Sie einreden. Sehr unwahrscheinlich, dass Sie danach genau wissen, was jede einzelne von Ihnen wollte. Das gleiche Szenario allein mit Ihnen und einer anderen Person am Tisch. Da schaut die Sache schon wieder anders aus. Unterscheidung nach Negativ- und Positivreiz: Ich bleibe mal beim genannten Szenario mit einer Person: Hier gibt es einen Unterschied, ob Ihnen Ihr Gegenüber sympathisch oder nicht wirklich wohlgesonnen ist – dementsprechend werden Sie die Situation als eher mühsam wahrnehmen oder eben nicht.

Kurzum: Bei der belastenden Wirkung der Reizüberflutung kommt es sowohl auf die Menge als auch auf die Art der Reize an, mit denen Sie konfrontiert werden.

Die belastende Wirkung ist individuell
Es gibt Personen, die empfindlicher auf Reizüberflutung reagieren als andere. Dazu gehören auch Kinder. Insbesondere Kinder sind heute durch Computer, Fernsehen und Internet einer Reizüberflutung ausgesetzt.Diese kann sogar zu Verhaltensauffälligkeiten führen, wenn nicht als Ausgleich das familiäre Umfeld die soziale und intellektuelle Entwicklung der Kinder fördert.In meinem Bekanntenkreis gibt es Schulpädagogen, die eine Zunahme von Verhaltensauffälligkeiten beobachten und die hierfür mit einen Grund in der Reizüberflutung sehen.

Die Informationsflut – auch eine Form der Reizüberflutung
Überall und permanent werden wir mit Informationen überschüttet. Radio, Fernseher, Internet, Smartphones – und damit ist noch lange nicht Schluss. Die Informationstechnologie wird weiter voranschreiten.Insbesondere das Internet ist prädestiniert dafür, uns mit Reizen zu überfluten. Viele Menschen sind permanent online.Bin ich im Netz unterwegs und rufe Webseiten auf, buhlen die (optischen) Reize regelrecht um meine Aufmerksamkeit: da blinkt etwas, dort ist etwas animiert – Reize noch und nöcher! Das Fokussieren auf die gesuchte Information fällt umso schwerer, je mehr solche Reize mich abzulenken versuchen. Oder aber auch die Werbung: Fernsehen, Radio, Printmedien, Plakate im öffentlichen Raum – kaum ein Medium, in dem nicht Werbung geschaltet wird. Und effektive Werbung ist nun mal solche, die unsere Sinne anspricht – in welcher Form auch immer. Um sich mal vor Augen zu führen, wie zahlreich wir mit Werbung überflutet werden, achten Sie mal einen Tag lang bewusst darauf.

Symptome
Chronische Reizüberflutung kann sich nicht nur negativ auf unser Wohlbefinden auswirken, sondern generell auf die physische und psychische Gesundheit. Im Folgenden einige Symptome, die im Zusammenhang mit der Reizüberflutung auftreten können:

- Konzentrationsschwierigkeiten
- Vergesslichkeit
- Hyperaktivität
- Tinnitus
- Kopfschmerzen
- Reizbarkeit
- Aggressivität
- Müdigkeit
- Erschöpfung
- Burnout

Reizüberflutung – was tun?
Bis zu einem bestimmten Grad liegt es an uns selbst, inwieweit wir uns von den Reizen wortwörtlich überfluten und uns damit belasten lassen. Schützen Sie sich vor dem, was sich von Ihnen beeinflussen lässt. Sie können gegen den Lärm in der Arbeit, gegen das Stimmengewirr in der U-Bahn oder gegen den Verkehr nicht viel ausrichten. Aber im privaten Umfeld gelingt es mit den 3 «A»!

Dazu zähle ich:
- A … Abschalten
- A … Abschotten
- A … Ausgleich
Abschalten

Schalten Sie ab – und zwar nicht nur gedanklich. Geräte wie Fernseher, Radio und Computer haben einen Knopf, der sie zum Schweigen bringt. Sie müssen sich nur entscheiden, ihn zu betätigen. Ihre Entscheidung!

Abschotten: Ziehen Sie sich regelmäßig an einen Ort zurück, wo Sie für eine Weile ungestört sind – und wenn es nur täglich für eine Viertelstunde ist. Suchen Sie einen Ort der Stille und Ruhe auf. Denn häufig ist es sogar so, dass wir in unserer doch recht hektischen und lauten Welt die Stille gar nicht mehr gewohnt sind.

Ausgleich: Als Ausgleich bietet sich beispielsweise ein Hobby wie Malen oder Zeichnen an. Meditationen, ein Spaziergang, ein (ruhiger) Tag für sich alleine, Sport, … sind alles Möglichkeiten, um der Reizüberflutung zu entfliehen.

Marco Gloor: «Schalten Sie mal ab. Ich tue dies regelmässig und ziehe mich zurück an einen Ort wo ich alleine bin und meine Ruhe von allem habe. Das tut gut».
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